OP-Tisch statt EM-Wand!?

Jürgens unglaubliches Glück im Unglück nur neun Tage vor einer der wichtigsten Kletterwettkampfveranstaltungen des Jahres ...
Redaktion: Eva Pinkelnig
Fotos: Lukas Fäßler, Archiv Jürgen Reis, Jürgen Christmann


Eins gleich vorab, denn das ist mir am Wichtigsten: Unser Team bedankt sich in aller
Form für die neuen Experten-Leser-Rezensionen zu Power-Quest 2 auf
amazon.de doch PRIMÄR … UND damit gleich zum Thema
dieses Newsberichts – eben auch für unzählige Mails zu Jürgens hoffentlicher
„Expressgenesung“!
 
Und JA! Wir berichteten bereits drei Mal über Jürgen in den vergangenen Wochen. Und wir WOLLTEN dieses Mal auch einen ganz speziellen Laufschuhtest in diesem
Newsletter (passend zu Paul Reimayrs aktuellem Triathlon-Podcast #256) versenden. Und dieser kommt – versprochen ... Aber ich denke, etwas interessanteres, als einen kurzen „Tatsachenbericht“ kann sich diese Woche kaum ein Leser vorstellen. Denn natürlich waren unter den eben erwähnten Mails auch zahlreiche Fragen ... Wie?
Warum? Wo und vor allem ... startet Jürgen ÜBERHAUPT nächste Woche wie in Teil zwei der „Wettkampftrilogie“ beschrieben!?

Trainingslager mit „OP-Tisch-Finale Grande“!?
 
Doch was machte da bitte Jürgens „fast zwei volle Jahrzehnte andauernde
Gesundgeschichte“, welche auch in seinem fünften Buch beschrieben ist, einen jähen Strich durch die Rechnung? Erst einmal: NICHTS, was diese genau genommen unterbricht. Denn Verletzungen an der Kletterwand, die im Hochleistungssport nun einmal „Part of the Game“ sind und bleiben, zählen nicht. Also: Keine Grippe, keine „Wehwehchen via Mentaltroubles“ und ... NO EXCUSES ... genau mit diesen zwei Worten begann die Hiobsbotschaft, welche ... doch ich lasse euch JETZT erst den Originaltext lesen:

„no excuses - just for information: gestern in imst böse das knie verrenkt an der wand. (Anm. d. Red.: Die genaue Verletzung, welche Jürgen uns an dieser Stelle mailte, wurde aus Geheimhaltungsgründen gestrichen. Doch soviel sei verraten: Die Sache war und ist ernst und Jürgen wohl nur einige Millimeter an einer Operation vorbeigeschrammt. Normalerweise: NO MORE CLIMBING für mehrere Wochen ... Doch ... Gott sei dank ... naja dazu dieser Bericht - also weiter in Jürgens „O-Zitat“...) physio hanno halbeisen meinte auf jeden fall mal 48 h abwarten. somit morgen wohl zusätzlicher restday. training also morgen vormittag theoretisch möglich aber - mal abwarten ... MIST ... EM-Qualifikation nächstes Wochenende.“
 
Diese kurze Nachricht erreichte mich und einige enge Freunde und Betreuer aus
seinem Naheumfeld Freitag morgens. Eine vorangegangene, kurze SMS Donnerstag Nachmittags, hatte jedoch bereits die „dunkle Wolke“, welche zwar am Donnerstag nicht über der Outdoorkletteranlage in Imst, sehr wohl aber über Jürgen’s „Gesundheitsglück“ lag, angekündigt. Doch gleich zur Wand. War diese brandneue, erst seit wenigen Tagen bekletterbare Konstruktion etwa ein „Mit-Grund“?
 
Jürgen stand mir für diesen Artikel nicht mehr, wie für die letzten Newsletter zu einem ausführlichen Interview zur Verfügung. „Unmittelbare Wettkampfvorbereitung!“ war sein „finales Kommentar“ diesen Montag. Klar, jetzt wo ihr diesen Bericht lest, ist er bereits so gut wie in den „Startlöchern“.
 
„Nur Minuten zuvor gelang mir eine meiner bislang schwersten On-Sight Touren via TOP!“
Jürgen Reis
 
Doch eines stellte er sofort klar: „Die Wand in Imst ist wohl eine der besten Outdoor-Kletteranlagen weltweit. Das was passierte, hätte mir an jedem anderen Ort auch wiederfahren können. Das Knie ist vorgeschädigt und dies war auch in meiner frühen Jugend bereits ein Grund, warum ich die Unfallchirurgie aufsuchen musste. Doch zurück zu Imst: Das Trainingslager sollte mir den optimalen Feinschliff für den Ö-Cup und die anschließende EM geben und der Tag war traumhaft, wie auch das oberste Foto in diesem Bericht zeigt (Rechts im Bild ist Nico Bonmassar, derzeit verlässlichster Trainingspartner zu sehen). Ein herzliches DANKESCHÖN an Helli Knabl und an sein gesamtes Kletterzentrum-Imst-Team, welches uns dieses Privattraining, an der noch nicht offiziell eröffneten Anlage, ermöglicht hatte. Die ersten Routen gelangen mir übrigens äußerst zufriedenstellend. Auch im direkten Vergleich zum, an diesem Tag dort trainierenden, slowenischen Jugend- und Juniorennationalteam gab sich sogar mein Trainingspartner Nico, der ebenfalls hohe Ansprüche an mich stellte, absolut zufrieden. Nur wenige Minuten vor der Verletzung toppte ich schließlich eine meiner bisher evtl. schwersten On-Sight-Routen überhaupt. Also noch einmal: Die Wand ist „übersicher“, ich war OK und das Ganze einfach ein unglücklicher Zufall, der überall hätte passieren können. Helli, ich wünsche dir jetzt schon ganz viel Wetterglück, damit sehr viele Zuschauer nächste Woche und dann vor allem bei der EM ein absolutes Top-Event erleben dürfen!“

Exakt Neun Tage vor entscheidendem Wettkampf nur haarscharf am Chirurgenskalpell vorbei!
 
Jürgen wollte übrigens zuerst gar nicht mit Details über den Ort der Verletzung
„herausrücken“, doch wir stellten bei einem Team Jour-Fixe vergangenes Wochenende fest: „Die Podcasts!“ – Wie so oft hatten wir bereits einige Sendungen vormoderiert, in denen das Trainingslager in Imst am Rande zur Sprache kommt. Und Power-Quest.cc ist und bleibt live on Tape!
 
Doch zurück zum Hauptfokus dieses Berichts, nämlich Jürgens Knie: Die Sache war also freitags mehr als kritisch. Stiegen zu gehen war schmerzbedingt unmöglich (!) und auch an klettern fürs Erste nicht zu denken. Gleich drei MR-Untersuchungen – zwei davon außertourlich – an jenem ersten von zwei Ruhetagen, sollten jedoch schnell für Klarheit sorgen.

Zwei Ruhetage vor dem Wettkampf bedeuten: Der
Sieben-Tage-Countdown läuft!

Sonntags erreichten uns dann einige erlösende SMS-Nachrichten, gemeinsam mit
einem Foto (das Zweite in diesem Artikel)

„der Start nächsten Samstag in Imst (ist ja meine Nationalteaminterne EM-Quali) M U S S gehen. Erstes Training war schwer OK. Knie spielt einigermaßen mit. 2 Tage Rest waren OK. ALLES GEHT!!!“

... welche wir durch einige Facts „komplettiert“ natürlich wie immer direkt auf unserem Twitter- und Facebookdienst veröffentlichten:

Nach gestrigem „GO!“ bzw. „keine Knie-OP“ via Dr. Cand. und Betreuer Julius
Benkö heute erster A-Tag für Jürgen inkl. Maxwell-ABC-Training!


Doch für alle die ein wenig „zurück in Jürgens Gegenwart“ – bzw. auch dieses Mal wieder in die vorhersehbare „Schnellst-Heil-Zukunft“ blicken wollen: Wer Jürgen’s Buch Power-Quest kennt weiß, wie er mit Verletzungen „umgeht“. Wir sagen nur: Dasselbe Team, zum jetzigen Zeitpunkt sogar mit einigen verstärkenden „Schnellheil-(Fast)Magiern“, welche nicht namentlich (zumindest noch nicht in diesem Bericht) genannt aufscheinen, stand ihm mit Rat und Tat zur Seite. Doch u.a. Oberarzt Dr. Richard Schnetzer (Krankenhaus Dornbirn), Werner Petrasch und Herbert Graf (MedFit) spielten wichtige Rollen. Bereits in Power-Quest (1), hieß es „aufgepasst!“ für alle, die sich bislang nach Wehwehchen erst einmal in „armer schwarzer Kater-Manier“ für mehrere Wochen vom Peak-Athletendasein „verletzt, entschuldigt“ verabschiedeten.

Die Leserfrage lautete: ... was war mit Ihrem Handbruch, bzw. den schwereren Verletzungen in Ihrer Vergangenheit ... „Training bei Krankheit“ war schon ein äußerst brisantes Unterkapitel in Peak Power. Und bereits in meinem ersten Buch schrieb ich über die Zeit meines Handgelenkbruchs im Herbst 2003 und vor allem die „Expressheilung“ danach. Die von den Chirurgen geschätzte, verletzungsbedingte Off-Season bis zum nächsten, ernst zu nehmenden Klettereinsatz lag damals bei über 6 Monaten. Nur 72 Stunden nach dem Erwachen aus der Narkose stand ich das erste Mal unter den Argusaugen von Physiotherapeut Hanno Halbeisen im Kraftraum des Landessportzentrums Vorarlberg. Bereits sieben Wochen später wiederholte ich in Ottobeuren eine Trainingstour mit der für Sportkletterer „magischen“ Bewertung 9+/10- (8a). Der Trainer und Betreuer des Deutschen Nationalteams, Erwin Marz, der 2003 mein Aufbautraining überwachte, traute seinen Augen nicht! Das Ende der Geschichte? Inzwischen erinnert nur noch eine kaum sichtbare, kleine Narbe an meinem echtem Handgelenk an die, für einen Kletterer sehr ernste, jedoch perfekt ausgeheilte, Verletzung.“

Nun, die Chirurgen hatten Gott sei dank dieses Mal keine „Wochenendschicht“ an Jürgens Gelenk zu leisten. Doch noch einmal: Das Knie ist nach wie vor nicht voll stabil aber wie durch ein „medizinisches Fastwunder“ bereits wieder kletterbereit! Der „Deal“: Jürgen hat statt sieben Monaten nur noch sieben Tage Zeit, um erneut 100% fit in Imst zum, dieses Mal sogar wettkampfentscheidenden Comeback anzutreten! Somit ist klar: Er wird in Profimanier alles daran setzen, nächstes Wochenende in Imst zu peaken (das unterste Bild in diesem Bericht, zeigt Jürgen direkt an der Imster Weltcupwand). Ich persönlich werde ihn übrigens in dieser letzten Vorbereitungs-Woche als Trainingspartnerin in der K1 Kletterhalle Dornbirn „betreuen“. Glaubt mir: Ich passe auf diesen „Positivst-Wahnsinnigen“ (so gut ich kann) auf. Drückt also auch MIR die Daumen ;-)!

Eure Eva Pinkelnig


Mehr zu Jürgens bislang veröffentlichten Berichten bzgl. seinem Handbruch 2003 findet ihr unter folgenden Direktlinks:

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